Wo ist es günstiger? Einkaufen und Tanken an der deutsch-polnischen Grenze

Sprit und Zigaretten sind in Polen meist günstiger, die Alkoholsteuer ist dagegen in Deutschland niedriger. Was sich auf welcher Seite der Oder lohnt und woran Sie auf der Rückfahrt denken sollten.

Stand: 12. Oktober 2026 Lesezeit: ca. 5 Min. Diesen Ratgeber auf Polnisch lesen →

Zuerst die Größenordnung

Laut Eurostat (Daten für 2025, veröffentlicht am 18. Juni 2026) lag das Preisniveau der privaten Konsumausgaben in Polen bei 73 % des EU-Durchschnitts, in Deutschland bei 108,3 %. Der durchschnittliche Warenkorb ist auf der deutschen Seite also fast um die Hälfte teurer. Im Grenzgebiet sagt dieser Durchschnitt aber wenig aus: Es kommt auf einzelne Warengruppen an, und bei einigen ist es genau umgekehrt.

Sprit: meist dieselbe Richtung, wechselnder Abstand

Tanken ist in Polen in der Regel günstiger, der Abstand ändert sich jedoch von Woche zu Woche und ist beim Diesel manchmal gering. Deshalb nennen wir hier keine Ersparnis pro Tankfüllung: An dem Tag, an dem Sie diesen Text lesen, könnte sie schon nicht mehr stimmen. Aktuelle Preise auf beiden Seiten der Grenze finden Sie unter Spritpreise; einen Vergleich für die gesamte EU veröffentlicht Destatis auf Grundlage von Daten der Europäischen Kommission. Vor der Fahrt über die Brücke lohnt außerdem ein Blick auf die Lage an den Grenzübergängen im Grenzpuls.

Woher der Unterschied kommt

Die Erklärung „weil die Steuern in Deutschland höher sind“ stimmt nur zur Hälfte. Die deutsche Energiesteuer beträgt 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel und liegt damit über der polnischen Verbrauchsteuer auf Kraftstoffe. Bei der Mehrwertsteuer ist es umgekehrt: in Polen 23 %, in Deutschland 19 %. Hinzu kommen die polnische Kraftstoffabgabe (opłata paliwowa) und der deutsche CO2-Preis, den es in Polen nicht gibt. Am Ende zählt der Wechselkurs: Derselbe Unterschied in Eurocent ergibt in Złoty jedes Mal einen anderen Betrag.

Zigaretten: ein dauerhafter Unterschied

Dieser Unterschied ergibt sich aus der Steuerstruktur, nicht aus kurzfristigen Angeboten. Die Tabaksteuer ist in Deutschland deutlich höher als in Polen, eine Schachtel kostet auf der deutschen Seite daher spürbar mehr.

Alkohol: hier gibt es eine Überraschung

Entgegen der verbreiteten Annahme, in Polen sei alles billiger, ist die Steuer auf Alkohol in Deutschland niedriger. Die deutsche Biersteuer beträgt 0,787 Euro je Hektoliter und Grad Plato, bei einem Bier mit 12 Grad Plato also rund 5 Cent pro 0,5-Liter-Flasche. Die Alkoholsteuer liegt bei 1.303 Euro je Hektoliter reinen Alkohols, das sind rund 2,61 Euro für eine halbe Liter Flasche Wodka mit 40 %. Die polnischen Verbrauchsteuersätze auf Bier und Ethylalkohol sind höher. Die Steuer ist nicht der ganze Preis, aber bei Alkohol lohnt sich ein Preisvergleich im Regal, bevor man davon ausgeht, dass es in Polen günstiger ist.

Wie viel Sie mitnehmen dürfen

Der häufigste Fehler: Die Freimengen für Reisen aus Nicht-EU-Ländern (die bekannten 200 Zigaretten und ein Liter Spirituosen) werden auf die deutsch-polnische Grenze übertragen. Innerhalb der EU fällt kein Zoll an, es gibt aber Richtmengen. Bei der Einreise nach Deutschland liegen sie bei 800 Zigaretten, 400 Zigarillos, 200 Zigarren, 1 kg Rauchtabak, 800 Stück Tabakerhitzer-Sticks, 10 Litern Spirituosen, 20 Litern Zwischenerzeugnissen (zum Beispiel Portwein), 60 Litern Schaumwein und 110 Litern Bier. Für Wein, der nicht schäumt, hat Deutschland keine Richtmenge festgelegt. Polen wendet vergleichbare EU-Richtmengen an, unter anderem 800 Zigaretten und 10 Liter Spirituosen.

Richtmengen sind keine festen Grenzen, sondern eine Vermutung: Darunter wird angenommen, dass die Ware für den eigenen Bedarf bestimmt ist. Mehr mitzunehmen ist nicht verboten, kehrt aber die Beweislast um. Können Sie nicht belegen, dass die Ware für Ihren eigenen Bedarf ist, wird Verbrauchsteuer fällig, und Tabakwaren können sichergestellt werden. Auch unterhalb der Richtmengen gibt es keinen vollständigen Schutz, denn die Behörde berücksichtigt auch, wer kauft und wo sich die Ware befindet. Steuerfrei bleibt die Ware nur, wenn sie aus dem legalen, versteuerten Handel im anderen Land stammt, also aus einem Geschäft; als Nachweis dient der Kassenbon.

Tax Free gibt es innerhalb der EU nicht

Die Mehrwertsteuererstattung im TAX-FREE-Verfahren steht nur Reisenden mit ständigem Wohnsitz außerhalb der Europäischen Union zu; das Portal PUESC der polnischen Finanzverwaltung (Krajowa Administracja Skarbowa) nennt diese Bedingung ausdrücklich. Wer in Słubice, Kostrzyn oder Gorzów wohnt, bekommt also keine Mehrwertsteuer für Einkäufe in Deutschland zurück, und wer in Frankfurt (Oder) wohnt, keine polnische Mehrwertsteuer für Einkäufe in Polen. Innerhalb der EU zahlen Sie die Steuer im Land des Einkaufs, und damit ist die Sache erledigt. Kraftstoffe sind von der Erstattung ohnehin ausgenommen.

Pfand auf Flaschen und Dosen

Das deutsche Pfand auf Einwegflaschen und -dosen beträgt 25 Cent pro Stück (Verpackungen von 0,1 bis 3 Litern). Wer ein Sixpack oder eine Palette nach Polen mitnimmt, verliert das Pfand, denn eine deutsche Dose lässt sich in einem polnischen Geschäft nicht zurückgeben. Sechs Dosen sind 1,50 Euro, vierundzwanzig schon 6 Euro – bei einem günstigen Getränk kann das die ganze Ersparnis auffressen. Geschäfte mit weniger als 200 m² Verkaufsfläche nehmen außerdem nur die Verpackungsarten zurück, die sie selbst verkaufen.

Sonntag: auf beiden Seiten geschlossen

Das Brandenburgische Ladenöffnungsgesetz (BbgLöG) erlaubt den Verkauf von Montag bis Samstag rund um die Uhr, an Sonn- und Feiertagen müssen die Geschäfte jedoch geschlossen bleiben. Verkaufsoffene Sonntage gibt es höchstens fünf im Jahr und einen weiteren aus Anlass regionaler Veranstaltungen, jeweils von 13 bis 20 Uhr; an Heiligabend schließen die Geschäfte um 14 Uhr. Geöffnet bleiben Tankstellen (rund um die Uhr, aber nur mit Kraftstoff, Ersatzteilen und Reisebedarf), Bäckereien, Blumenläden und Zeitungsverkaufsstellen für höchstens fünf Stunden zwischen 7 und 19 Uhr, Notdienstapotheken sowie Geschäfte in Bahnhöfen.

In Polen ist der Handel an Sonntagen grundsätzlich verboten, mit Ausnahme weniger gesetzlich festgelegter verkaufsoffener Sonntage im Jahr, unter anderem vor Ostern und Weihnachten. An einem gewöhnlichen Sonntag sind große Geschäfte also auf beiden Seiten der Grenze geschlossen.

Bargeld oder Karte

Erst 2025 haben die Menschen in Deutschland zum ersten Mal häufiger unbar als bar bezahlt, im Verhältnis 55 zu 45 Prozent (Studie der Bundesbank vom Juli 2026). Bäckerei, Markt, kleinerer Laden oder Arztpraxis haben unter Umständen kein Kartenterminal oder nehmen Karten erst ab einem bestimmten Betrag – Bargeld in Euro sollten Sie daher dabeihaben.

Dienstleistungen

Auf der polnischen Seite nutzen auch Menschen aus Deutschland die Dienste von Zahnärzten, Friseuren und Kosmetikstudios. Vergleichbare amtliche Preislisten gibt es jedoch nicht, deshalb nennen wir nur die Richtung, keine Beträge. Praxen und Salons aus der Region finden Sie im Firmenkatalog; den Preis klären Sie am besten telefonisch.

Bei größeren Einkäufen oder im Zweifel fragen Sie auf polnischer Seite die Finanzverwaltung (Krajowa Administracja Skarbowa), auf deutscher Seite den Zoll.

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorschriften und Beträge haben wir anhand der unten genannten amtlichen Quellen geprüft; im Einzelfall entscheidet die zuständige Behörde.

Quellen

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